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in der Fachrichtung Gestalt & Orientierungsanalyse GOA

Die Inhalte der Fachrichtung Gestalt und Orientierungsanalyse werden in speziellen FachModulen vermittelt. Beschreibungen zu allen FachModulen finden Sie auf diesen Internetseiten unter der Rubrik KURSANGEBOT (klick führt direkt zu den FachModulen Gestalt & Orientierungsanalyse).

Die Gestalt-Methodik hat viele Annahmen der Gestalttheorie übernommen, die am Berliner Psychologischen Institut entwickelt worden ist. Diese Theorie war eine Reak­tion auf die Elementpsychologie des 19. Jahrhunderts, die das psychische Gesche­hen in kleinste Einheiten, etwa Assoziationen, aufzulösen versuchte. Die Gestalt- Psychologen betonen demgegenüber den ganzheitlichen Aspekt des psychischen Geschehens (»Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile«). Der Psychoanaly­tiker Fritz Perls übernahm diese Grundgedanken bei der Entwicklung seiner Gestalt- Methodik. Er wurde aber auch durch Wilhelm Reich wesentlich beeinflusst.

Identität entsteht im Sinne der Gestalt durch Grenzziehung zu anderen Personen. Je reicher und vielfältiger die Kontakte von Personen untereinander sind, umso wichtiger werden klare Grenzziehungen; Identität, d. h. die Unverwechselbarkeit des einzelnen Menschen, manifestiert sich in der Dialektik zwischen Bindung und Frei­heit. Die Gestalt-Arbeit dient im Wesentlichen dazu, die eigene Identität zu finden. Sie kann durch eine unklare Grenzziehung nach innen und nach außen (durch Kon­fluenz) bedroht werden.

Ziel der Gestalt-Arbeit ist eine möglichst prägnante Identität und die Entfaltung der kreativen Möglichkeiten des Menschen. Menschen und Welt, Gruppe und Indivi­duum stehen in einem dialektischen Zusammenhang. Beide bedingen einander, sie verhalten sich zueinander komplementär. Mein Sein ist bestimmt durch das Sein mit anderen (Heidegger, 1976). Diese Koexistenz (Sein mit anderen) wird erst durch das Finden und Praktizieren der unverwechselbaren Eigentümlichkeit des Einzelnen möglich, also durch Einigkeit mit sich selbst einschließlich ungelöster Konflikte und unerfreulicher eigener Anteile.

Die Gestalt-Methodik ist in ihrem ganzheitlich-integrativen Verständnis menschlicher Personalität und ihrer klaren Wert- und Glaubensentscheidung für die allgemeine Ten­denz des Menschen zur »guten Gestalt«, d. h. zur selbstständigen, verantwortungs­- und sinnvollen Gestaltung des Lebens in besonderer Weise geeignet, die religiöse Dimension im Menschen zu aktualisieren und tiefere Erfahrungen mit ihr zu machen, etwa über die gestalttherapeutische Arbeit mit Symbolen.

Sie kann dazu beitragen, persönlichen Glauben mit den alltäglichen Erfahrungen im »Hier und Jetzt« lebendig zu verbinden. Mit den Konzepten des Wachstums, der Ganzheit, der wachen Bewusst­heit im Hier und Jetzt, des Lernens durch Erleben, der Verantwortung als Fähigkeit zu antworten (responsibility = response-ability) und der Betonung des Selbstregulations- ­und Selbstverwirklichungsprinzips sowie den zahlreichen Übungen und Spielen zur Schulung von Selbst-/Fremdwahrnehmung und Kommunikation, hat der Gestalt- Ansatz die Methodologie für ein Bildungskonzept geschaffen, das den Bereich der Gefühle, der Empfindungen und der sozialen Interaktion umfasst.

Der Gestalt-Ansatz setzt sich von der bürokratischen, sozial- und lerntechnologisch bestimmten Bildungsarbeit genauso ab, wie von den idealistischen Konzeptionen klassischer Bildungstheorien oder radikalpolitischen Forderungen nach totalen Revolutionen.
Mit den Gestalt-Methoden ist eine alternative Pädagogik möglich geworden, die die Arbeit in traditionellen Bildungs- und Therapieeinrichtungen so verändern will, dass sie menschengerechter und kommunikativer werden. In unserem Programm finden die Gestalt-Methoden Anwendung in der berufsspezifischen Selbsterfahrung, im berufsspezifischen Interaktionstraining und in der kollegialen Supervision.

Die orientierungsanalytische Vorgehensweise ist gekennzeichnet durch eine Ver­bindung individualpsychologischer Theorie (A. Adler/L. Ackerknecht/M. Titze) mit verschiedenen Rollenspieltechniken (F. Perls/J. Brinley/J. Moreno) und systemisch­kommunikationswissenschaftlichen Erklärungsmodellen (Watzlawick/Berne/Selvini­Palazzoli/Minuchin). Im Rahmen der therapeutischen Zusatzausbildung und der Zusammenarbeit mit Trainern verschiedener Grundkonzeptionen habe ich die Orientierungsanalyse seit 1980 im Kontext von Gruppen- und Einzelarbeit syste­matisch entwickelt und begründet.

Wichtigstes Element der orientierungsanalytischen Trainingsarbeit ist das Lernen anhand von Früherinnerungen. Ich gehe davon aus, dass Erinnerungen ebenso wie Träume und Zukunftsphantasien jeweils andere intrapsychische Verarbeitungs­formen des »Hier und Jetzt« sind. Wir können unsere aktuelle Orientierung gewis­sermaßen aus erinnerten Situationen herauslesen, wenn wir den Mut aufbringen, die eigene Entwicklungsgeschichte, das jeweilige Erfordernis der Lage und auch anstehende Notwendigkeiten wahrzunehmen. Es geht also primär um ein Zusammenbringen von Vergangenheit und Zukunft im heutigen Lebenskontext des Lernenden. Dabei werden anhand der Inszenierung von Früherinnerungen unsere Prägungen, unsere Lebensmuster - speziell im Rahmen von Konfliktsituationen - zum Thema gemacht. Hindernde Muster werden enttrübt und fördernde Muster werden dabei wiederentdeckt bzw. im Rollenspiel neu entwickelt.

Die methodische Vorgehensweise der Orientierungsanalyse ist das Inszenieren von Früherinnerungen mit anschließender Reflexion zum Lebenskontext des Lernen­den.

  • die Beleuchtung von Ereignissen aus der Vergangenheit, die zur spezifischen Prägung eines Menschen und seiner Lebensweise (Lebensstil, Skript) geführt haben,
  • die Betrachtung des Hier und Jetzt eines Menschen, seiner momentanen Lebensumstände, der privaten wie beruflichen Gegebenheiten in Beziehung zur gegenwärtigen Befindlichkeit,
  • das Spielen mit Verhaltensmöglichkeiten für die Zukunft, wobei deutlich wird, wel­che kurz-, mittel- und langfristigen Orientierungen möglich sind.

Beim Inszenieren kommen hauptsächlich Rollenspieltechniken aus Gestalttherapie und Psychodrama zum Einsatz. Die gewählte Technik hängt vom Gesamtsetting des Trainings ab.

Während beim Inszenieren selbst die logisch-analytisch arbeitende Hirnhälfte außer Acht bleibt, so wird sie bei der Bezugnahme des Gespielten auf eine aktuelle Kon­fliktsituation bzw. auf das Lebensfeld des Teilnehmers wieder mit einbezogen, jetzt unter transaktionsanalytischen und/oder systemischen Aspekten. Die Orientie­rungsanalyse stellt damit sowohl für das Lernen in Gruppen wie das Lernen inner­halb von Einzelkonsultationen einen klar strukturierten Rahmen, der Erfahrungen der Hirnforschung mit verschiedenen Grundtechniken der Humanistischen Psycho­logie zu einem Ganzen verbindet.

 

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